Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind für jede Einzelne und jeden Einzelnen von uns, für unsere Gesellschaft und die ganze Welt immens groß und verändern sich in einem enormen Tempo fast täglich. Die Probleme nehmen also zu, die Zukunft der Menschheit und ihrer einzelnen Mitglieder steht auf dem Spiel. Neben unseren ganz persönlichen Schwierigkeiten beginnt auch unsere Gemeinschaft auseinanderzubrechen, da Teile unserer Gesellschaft immer öfter von dem Gefühl befallen werden, dass ihre persönlichen Möglichkeiten und der eigene Einfluss, was die zukünftige Ent-wicklung und Veränderung unserer Gesellschaft angeht, schwinden oder durch staatliche Maßnahmen immer mehr eingeschränkt werden. Die Politik vereint und stärkt die Gesellschaft nicht mehr, sondern sie treibt sie aus-einander, sie polarisiert zunehmend. Die Bevölkerung teilt sich und ihre ein-zelnen Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber. Dazu kommen die globalen Einflüsse, die wir alle mittlerweile auch stark zu spüren bekommen. Und auch da driftet die Bevölkerung durch tiefe weltanschauliche Gräben auseinander.
Laut dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ist nach den Artikeln 1-3 die Würde des Menschen unantastbar. Die staatliche Gewalt ist verpflichtet, sie zu achten und zu schützen. Die Bürger Deutschlands achten auf die unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechte eines jeden Einzelnen als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft. Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, Männer und Frauen sind gleichberechtigt, niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstam-mung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden und alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
Warum tun sich aber dennoch einige Teile unserer Gesellschaft mit dieser de-
mokratischen Regelung für ein friedliches Miteinander so schwer? Sind es in bestimmten Situationen dann doch noch zu viel auftretende Zwänge, macht die moderne Gesellschaft mit all ihren Anforderungen an jede Einzelne und
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jeden Einzelnen, vielen davon zu viel Druck? Oder geht es um Prophylaxen zum Eigenschutz, wenn man sich der Solidarität innerhalb der Gesellschaft verweigert und den Begriff der Empathie aus seinem Selbstverständnis streicht? Eigenschutz im Sinne des Nicht-zugeben-Wollens, dass man mit dem heutigen Tempo nicht mehr mitkommt oder, dass man nicht mit schuldig sein will an dem, was unser teilweise desaströses Handeln und die damit verbundenen Folgen angeht. Dabei geht es nicht immer nur um das große Ganze, da können genauso gut auch immer wiederkehrende Kleinigkeiten den Ausschlag geben, wie die permanenten, gebetsmühlenartigen Forderungen nach immer mehr wirtschaftlichem Wachstum der Industrie und einem damit einhergehenden Jammern auf hohem Niveau, wenn die oder der Einzelne oft nicht weiß, wie sie oder er über die Runden kommen soll. Und dann gibt es noch diejenigen in unserer Gesellschaft, die ihr eigenes Denken völlig abgeschafft haben und irgendwelchen haltlosen Parolen blindlinks hinterherlaufen, um diese dann teilweise auch selber skrupellos zu ver-breiten. Der britische Philosoph Bertrand Russell brachte dieses Phänomen schon 1933 in seinem Artikel „Triumph of Stupidity“ (Triumph der Dummheit) auf den Punkt: „Die Hauptursache des Problems ist, dass in der modernen Welt die Dummen selbstsicher und die Intelligenten voller Zweifel sind.“ Solche Leute bieten sich damit gleichzeitig auch als gute Zielscheibe für alle rechtsextremen Bewegungen an.
Man könnte dieses Phänomen auch so formulieren: Menschen, die mit ihrem Umfeld, egal ob es dabei um andere Menschen oder soziale und poli-tische Verhältnisse geht, unzufrieden sind oder es mehr und mehr werden und im Gegensatz dazu mit sich selbst aber durchaus sehr zufrieden sind, entfernen sich immer weiter von der eigentlichen Wahrheit. Der dabei am meis-ten begangene Fehler, egal wie gut oder eher schlecht sich ihre eigene Situation darstellt, ist, dass sie irgendwie immer einen scheinbaren Weg finden, ihr Leben und ihre damit verbundene gesellschaftliche Position in einer dafür geeigneten gesellschaftlichen Gruppierung positiv darzustellen,
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in dem ihre Meinung dann natürlich auch entsprechend anerkannt wird.
Was also machen, wie kommen wir wieder zusammen für eine gemeinsame, von jeder und jedem Einzelnen respektierte und geschützte Zukunft? Eine Zukunft für eine intakte, funktionierende Gesellschaft, für ein respektvolles Nebeneinander aller Staaten und deren gemeinsamer Anstrengung, unseren Planeten Erde, auf dem wir alle auch in Zukunft weiter leben wollen, zu schützen und nicht zu zerstören. Selbst Mitglieder der eigentlich friedlichen Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten beginnen schon, sich so langsam zu radikalisieren um ihr Anliegen vermeintlich besser durchsetzen zu können.
Aber der Reihe nach! Um was geht es, welche Themen des 21. Jahrhunderts beschäftigen oder bedrohen uns sogar? Auf was muss sich jede und jeder Einzelne von uns einstellen, wie müssen wir uns alle dafür individuell aufstellen und welche Herausforderungen hat die Politik zu stemmen? Die Probleme sind mannigfaltig und als ob sie noch nicht ausgereicht hätten, obendrauf noch eine Pandemie und nach über 70 Jahren hier in Europa ein eigentlich für nicht mehr möglich gehaltener, brutaler Angriffskrieg eines autoritär geführten Staates mit einer simulierten Demokratie.
Altersarmut, Antisemitismus, Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarkt, Ausbildung, Be-völkerungswachstum, Bildungssystem und Bildungsarmut, Chancengleich-heit, Digitalisierung, Diskriminierung, Diversität, Drogenhandel, Egoismus, Empathie, Energiekrise, Existenzangst, Finanzkrise, Flüchtlingsströme, Fun-damentalismen, Gendersprache, Gesundheitssystem, Gewaltbereitschaft, Gleichbehandlung, Globalisierung, Ideologisierung, Internet und Fakenews, Kinderrechte, Klassengesellschaft, Klimawandel, Kriege, Kriminalisierung, Krisenmanagement, Künstliche Intelligenz, Lebensqualität, Medialisierung, Menschenrechte, Migration, Nachhaltigkeit, Nahrungsmittel, Nationalisie-rung, Pandemie, Politikmüdigkeit, Rassismus, Rechtsextremismus, Ressour-cenrivalität, Social Media, Terrorismus, Überalterung der Gesellschaft, Um-weltschutz, Verarmung, Vermüllung, Völkermorde, Wassermangel, Zerfall staatlicher Ordnungen, etc. pp.
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Eine kurze alphabetische Auflistung von Schlüsselwörtern oder auch Über-schriften zu den unterschiedlichen, aktuellen Themenbereichen, ohne den Nachweis ihrer Vollständigkeit. Mal ganz abgesehen von den vielen, davon noch abweichenden, ernsthaften Problemen, die jede und jeder Einzelne von uns tagtäglich mit sich herumträgt. Ich möchte zu einigen der aufgezählten Schlüsselwörtern beziehungsweise Themen unserer Zeit kurz Stellung neh-men.
Alle judenfeindlichen Einstellungen und Handlungen werden mit dem Ober-begriff Antisemitismus beschrieben. Antisemitismus entspringt in erster Linie einer rechten Weltanschauung, in der allein das menschliche, jüdische Dasein als größtes Problem angesehen wird. Für uns in Deutschland, in unserer Gesellschaft sollte zunächst einmal darüber Klarheit herrschen, dass die Gnade der späten Geburt uns nicht von unserer Verantwortung, das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus für immer am Leben zu erhalten, entbindet. Die Erinnerung an die nationalsozialistische Vergangen-heit, an diese menschenverachtende Gewaltherrschaft, darf nicht in gren-zenloser Gleichgültigkeit versickern. Das Schicksal der Millionen Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus durch Krieg, Terror und Holocaust zu Tode kamen, kann uns auch im 21. Jahrhundert, über 75 Jahre nach Kriegs-ende und Befreiung der Konzentrationslager, nicht egal sein. Da reicht ein jährlicher Gedenktag alleine nicht aus. Da sind wir alle in der Pflicht, gegen das Vergessen, mit einer gesunden Erinnerungskultur, unseren Teil beizu-tragen. Auch wenn wir wohl vor einer Frage immer nur mit einer kopf-schüttelnden Traurigkeit stehen bleiben werden. Wir können nicht beant-worten, wieso Menschen anderen Menschen so ein grausames Leid zufügen konnten und, wieso es wiederum keine anderen Menschen gab, die dagegen etwas Entscheidendes getan haben. Was wir aber gemeinsam tun können, ist darauf zu achten, dass sich diese unsere Geschichte nicht noch einmal so wiederholt. Die amerikanische Soziologin Helen Fein definierte Antisemi-tismus wie folgt: „Antisemitismus ist ein dauerhafter latenter Komplex feind-
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seliger Überzeugungen gegenüber Juden als einem Kollektiv. Diese Überzeugungen äußern sich beim Einzelnen als Vorurteil, in der Kultur als Mythen, Ideologie, Folklore und in der Bildsprache, sowie in Form von indivi-duellen oder kollektiven Handlungen – soziale oder gesetzliche Diskrimi-nierung, politische Mobilisierung gegen Juden, und als kollektive oder staatliche Gewalt –, die darauf zielen, sich von Juden als Juden zu distan-zieren, sie zu vertreiben oder zu vernichten.“ Zusammenfassend gesagt, steht der Antisemitismus für die Abneigung und Feindschaft, in seiner Spitze für einen ausgeprägten Judenhass, gegenüber dem Judentum, der sich gegen einzelne Personen, jüdische Einrichtungen im Allgemeinen oder gegen religiöse Versammlungsorte richtet. Auch in unserem jetzigen Jahrhundert nehmen die Angriffe auf Juden weiter zu, und zwar weltweit. Untersuchungen und entsprechende Studien zeigen dabei deutlich, dass wir es hierbei nicht mit einem neuen Antisemitismus zu tun haben, sondern dass dieser nach 1945 nie vollständig verschwunden ist. Und Anti-semitismus, egal in welcher Form, ist natürlich auch ein Bestandteil von vorhandenem Rassismus und Rechtsextremismus. Wobei Rassismus in seiner ganzen Vielschichtigkeit wahrscheinlich das größte Problem in unserer Gesellschaft darstellt, da er sehr oft auch völlig unabsichtlich geschieht und zum Beispiel hinter einer vermeintlich normalen Aussage, kein rassistischer Gedanke dafür der Aus-löser war. Trotzdem kann der damit verbundene rassistische Vorwurf zu jeder Zeit auch jede Einzelne und jeden Einzelnen von uns negativ treffen, da die meisten von uns, die frei von einem antisemitischen, rassistischen oder rechtsextremistischen Gedankengut sind, einen möglichen Rassismusvor-wurf gegen die eigene Person für nicht möglich halten, weil sie selber dafür ein eigenes rassistisches Verhalten überhaupt nicht erkennen. Es geht dabei auch nicht immer zwangsläufig gezielt gegen einen anderen Menschen, da reicht es schon aus, wenn im Wirtshaus auf der Speisekarte immer noch das „Zigeunerschnitzel“ steht oder der Schokokuss im normalen Sprachgebrauch immer noch als „Mohrenkopf“ oder „Negerkuss“ bezeichnet wird. Wobei man
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auf solche Bezeichnungen aus früherer Zeit in der Regel nur noch innerhalb älterer Generationen trifft, die nicht mehr bereit sind, ihren eigenen Wort-schatz dementsprechend zu modifizieren oder zu modernisieren. Die größte Bedrohung unserer Gesellschaft im 21. Jahrhundert ist allerdings der immer weiter aufkommende und sich verbreitende Rechtsextremismus, der unsere freiheitliche demokratische Grundordnung ablehnt und ein autoritäres, bes-ser noch totalitäres, staatliches System etablieren möchte. Die Grundlage der Gesellschaftsordnung bildet dann in einem solchen Staat ein rassistisches, nationalistisches Gedankengut. Geprägt von der Aufteilung der Menschen in unterschiedlich wertvolle Rassen, von Fremdenfeindlichkeit, natürlich von Antisemitismus, der dazugehörigen Verherrlichung des NS-Regimes und der Verharmlosung bis hin zur Leugnung des Holocaust. Eine solche rechts-extremistische Ideologie ist ohne jegliche Diskussion mit dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und der darin verankerten freiheitlichen demokratischen Grundordnungund den schon am Anfang genannten Arti-keln 1-3 über die Würde des Menschen in keiner Weise vereinbar.
Die Verbreitung und Vermehrung eines solchen rechten Gedankengutes wird auch sehr stark durch das Internet und durch alle nutzbaren Social-Media-Kanäle unterstützt. Als Internet- und Social-Medianutzer sollten wir alle wach und mit offenen Augen durch das World Wide Web surfen oder mit entspre-chenden Social Media-Beiträgen umgehen, denn sehr schnell kann man auch völlig ungewollt zur Mitverbreiterin oder zum Mitverbreiter von irreführenden, falschen und unwahren Nachrichten werden. Und wir sollten uns dabei auch nicht zu schade sein, etwaige Auffälligkeiten zu melden. So werden zum Beispiel Fälle der Beleidigung, üblen Nachrede oder Verleumdung von der Meldestelle Respect! entgegengenommen und entsprechend geprüft. „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Volksverhetzung und politisch motivierte Drohungen sind auch in den sozialen Netzwerken strafbar. Wir wenden uns an alle, die im Netz auf Hasskommentare stoßen und etwas dagegen unter-nehmen möchten.“ Wird der Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt, wenn al-
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